Aus dem Alltag · April 2026

Viele stellen sich meinen Job ziemlich idyllisch vor. Ein bisschen mit Katzen kuscheln, Futter hinstellen, vielleicht noch ein paar süße Fotos machen und wieder gehen. Klingt entspannt. Ist es manchmal auch. Aber eben längst nicht immer.

Die Wahrheit ist: Kein Tag ist wie der andere. Und genau das macht diesen Job so besonders – und manchmal auch herausfordernd.


An einem Tag stehst du in einer Wohnung und merkst plötzlich:
Das wichtige Medikament, das du geben sollst, ist gar nicht da. Nicht im Napf, nicht im Schrank, nirgendwo. Du gehst gedanklich alles durch, liest Nachrichten nochmal, suchst jede Ecke ab. In solchen Momenten wird dir bewusst, wie viel Verantwortung du trägst. Du musst ruhig bleiben, nach Lösungen suchen, Rücksprache halten. Panik hilft niemandem – am wenigsten dem Tier.


An einem anderen Tag sitzt du auf dem Boden und versuchst, ein Kaninchen einzufangen, das ganz offensichtlich andere Pläne hat. Es hat ein entzündetes Auge und muss dringend zum Tierarzt. Also wirst du geduldig, ruhig, strategisch. Du bewegst dich langsam, redest leise, versuchst Vertrauen aufzubauen – und irgendwann klappt es. Nicht elegant, aber sicher. Und am Ende zählt genau das.

Und dann gibt es diese Momente, die dich ehrlich sagen lassen:
Das ist zu viel. Ich hatte auch schon Tiere, die so verängstigt waren, dass ich ihnen nicht einmal nahe kommen konnte – geschweige denn ein Medikament geben.
Und genau da ziehe ich heute eine klare Grenze.
Nicht, weil ich nicht will. Sondern weil Verantwortung auch bedeutet, ehrlich einzuschätzen, was machbar ist und was nicht. Ein Tier, das panisch ist, braucht eine andere Art von Betreuung. Alles andere wäre unfair – für das Tier und für mich


Und dann gibt es da noch die alten Seelen. Katzen, die ich regelmäßig betreue und die mir richtig ans Herz gewachsen sind. Eine von ihnen ist so alt, dass sie ihren Stuhlgang und Urin nicht mehr kontrollieren kann. Das bedeutet: putzen, wischen, nochmal putzen. Immer wieder. Dazu kommt, dass ihre Nase regelmäßig gespült werden muss. Das ist nichts, was man mal eben nebenbei macht. Das ist Pflege. Geduld. Nähe. Und auch ein bisschen Herzschmerz, wenn man merkt, wie sehr ein Tier abbaut.

Diese Tage sind nicht glamourös. Aber so ist es nunmal.

Und genau das ist es, was viele unterschätzen: Katzensitting ist nicht einfach ein netter Nebenjob. Es ist Verantwortung. Für Lebewesen, die sich nicht erklären können, die auf dich angewiesen sind und die darauf vertrauen, dass du da bist, wenn ihre Menschen es nicht können.

Und trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – liebe ich diesen Job.

Weil er mich fordert. Weil er mich zwingt, aufmerksam zu sein. Weil jedes Tier anders ist und ich jedes Mal neu lernen darf. Und weil es diese kleinen Momente gibt, die alles aufwiegen: wenn eine scheue Katze plötzlich doch näher kommt. Wenn ein krankes Tier sich sichtbar entspannt. Oder wenn du einfach merkst: Heute habe ich genau das Richtige getan.

Katzensitting ist nicht immer einfach. Aber es ist ehrlich. Und genau deshalb fühlt es sich richtig an.



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