Betreuung · April 2026

„Kannst du nicht einfach kurz vorbeischauen?“
Diese Frage bekomme ich ziemlich oft. Und ich verstehe sie auch. Von außen wirkt Katzensitting oft wie etwas, das man schnell erledigen kann: Futter hinstellen, Katzenklo sauber machen, vielleicht einmal streicheln – fertig.

Die ehrliche Antwort ist: Es kommt darauf an.


Katzen sind extrem unterschiedlich. Es gibt nicht die eine richtige Art der Betreuung.

Ich habe Katzen in Betreuung, die kommen mir direkt entgegen, wollen spielen, Aufmerksamkeit, Nähe. Die freuen sich, wenn jemand da ist, und genießen die Zeit sichtbar. Bei solchen Tieren plane ich automatisch mehr Interaktion ein, weil ich merke, dass es ihnen gut tut.

Und dann gibt es die anderen.
Die, die sich irgendwo hinlegen und einfach ihre Ruhe wollen. Die mich zwar wahrnehmen, aber kein Interesse an Spiel oder Nähe zeigen. Ich kann sie ansprechen, ihnen Angebote machen – wenn nichts zurückkommt, akzeptiere ich das. Ich zwinge kein Tier zu Kontakt.


Und genau das ist der Punkt, den viele unterschätzen: Gute Betreuung heißt nicht, ein festes Programm durchzuziehen. Gute Betreuung heißt, das Tier zu lesen.

Für manche Katzen reicht es tatsächlich, wenn ich vorbeikomme, alles sauber mache, Futter gebe, kurz nach ihnen schaue und wieder gehe. Nicht, weil es „egal“ ist – sondern weil es genau zu ihrem Charakter passt.

Für andere wäre genau das zu wenig.

Deshalb dauert ein Besuch bei mir in der Regel etwa 30 Minuten, manchmal auch 45. Das ist ein Rahmen, in dem ich alles in Ruhe erledigen kann und gleichzeitig genug Zeit habe, um zu schauen: Wie geht es dem Tier heute? Gibt es Veränderungen? Braucht es mehr oder weniger Nähe?


Wenn ich merke, da ist mehr Bedarf – sei es durch Krankheit, Alter oder einfach durch den Charakter – dann wird das individuell angepasst. Das kläre ich im Vorfeld mit den Besitzer:innen, damit es für alle passt.

Was mir außerdem wichtig ist: Struktur.
Ich arbeite mit einer ausführlichen digitalen Checkliste, die vor der Betreuung ausgefüllt wird. Dort steht alles drin – von Futtergewohnheiten über Besonderheiten bis hin zu medizinischen Themen. Ich betreue viele Tiere und verlasse mich nicht auf mein Gedächtnis, sondern auf saubere Vorbereitung.

So kann ich mich vor Ort voll auf das konzentrieren, was zählt: das Tier selbst.

Manche Katzen wollen viel Aufmerksamkeit.
Manche wollen einfach ihre Ruhe.

Und beides ist völlig in Ordnung.


Katzensitting bedeutet für mich, genau hinzuschauen und mich anzupassen.
Und genau deshalb funktioniert „kurz vorbeischauen“ manchmal ganz wunderbar – und manchmal eben gar nicht.



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